Verspielt
24. August 2008Wieder mal ein Fundstück zum ewigen Mann-Frau-Thema. Schon etwas älter - aus der Zeit vom 20.4.2006, in einem Artikel zum wie üblich provokanten Thema “Haben wir die Emanzipation verspielt?” von einer Autorin namens Heike Faller.
Manchmal frage ich mich, ob wir den Feminismus verschenkt haben. Besonders kämpferisch war meine Generation nun wirklich nicht. Im Gegenteil. Wir haben damit kokettiert, es nicht zu sein. Wenn uns einer die Tür aufhielt, nach dem Essen die Rechnung übernahm, nach drei Gläsern Wein sagte, daß wir schön seien, dann waren wir sogar noch irgendwie stolz darauf, dass wir nicht sofort schlechte Laune kriegten, wie unsere Vorgängergeneration das vermutlich getan hätte, die sich, Moment, wie nannten sie das noch mal, auf ihren Körper reduziert gefühlt hätte. Wir sind mit unseren Push-up-Bras einfach sitzen geblieben. Lächelnd.
Ist natürlich auch eine absolut chauvinistische Unverschämtheit von einem Mann, eine Frau bei einem Date als schön zu bezeichnen. Die einzig angemessene Reaktion wäre wirklich gewesen, ihm das vierte Glas Wein ins Gesicht zu schütten, die Rechnung zu bezahlen und schnaubend das Lokal zu verlassen. Umgekehrt weiß der Mann von heute damit: sollte er einer Frau ein Kompliment machen und sie nicht so reagieren, hat er es mit einem unemanzipierten Dummchen zu tun, von der er besser die Finger lassen sollte, wenn er sich nicht dem Vorwurf aussetzen will, nur hilflose Weibchen an seiner Seite zu akzeptieren, die zu ihm aufschauen, anstelle einer Partnerin auf Augenhöhe (ein sehr beliebter Standardvorwurf übrigens).
Seltsam nur, daß dieselbe Autorin in demselben Artikel sich böse darüber beschwert, daß Karriere und Familie für Frauen offenbar immer noch als praktisch unvereinbar gelten. Während sie im oben zitierten Absatz suggeriert, daß Gleichberechtigung und Emanzipation einerseits und Attraktivität und Auch-nur-irgendwas-mit-Männern-Haben andererseits sich gegenseitig ausschließen. Wie mag das zusammenpassen? Ach, egal.
