San Diego Stopover
San Diego Airport, Blick durch Panoramascheiben auf einen strahlenden Tag und die Startbahn mit Internetzugang inklusive. Es lebe Free WiFi! Ich hab’s inzwischen tatsächlich geschafft, in sowas wie Urlaubsmodus zu kommen, obwohl dafür ein paar Tage sonst meistens nicht ausreichen. Kalifornien scheint in der Hinsicht doch ganz gut zu tun. Konferenz gut überstanden, viele interessante Vorträge und Poster und umgekehrt auch reges Interesse an meinem Poster, gutes Gefühl das. Die Unterbringung in Strandbungalows und die sehr um ihr Klientel bemühten Firmen, die allabendlich ihre “vendor suites” mit Essen und Trinken und teilweise gar Livemusik umsonst feilboten, waren auch alles andere als unangenehm. Man könnte sich glatt wichtig vorkommen, würde man sich das nicht selbst untersagen.
Der Streß von zuvor schlug dann allerdings doch zurück und mich mit einer Erkältung nieder, die die zwei Tage nach Ende der Konferenz etwas mühsam machte. Zum whale watching (ein Dutzend Grauwale und ein kurzer Blick auf einen Buckelwal!) vor Monterey und einem Autoausflug zum Big Sur hab ich mich dennoch mitgeschleppt, bevor ich in Berkeley von meinem alten Freund Oli und seiner Frau Breeze mit warmer Atmosphäre und heißen selbstgemixten organic herbal teas wieder aufgepäppelt wurde. Die eine Woche, die ich dann in der Bay Area verbracht habe, entschädigte dann auch für einiges. Traumwetter, Frühlingsausbruch, unglaubliche Landschaft, Wandern an der Küste in Marin County (Point Reyes Beach) und im Yosemite National Park (Dewey Point, mit Blick auf El Capitan, und Yosemite Falls, mit Blick auf den Half Dome), einen Tag durch San Francisco laufen, gut und gesund essen (die links-alternativ-ökologische Szene erschlägt einen fast in Berkeley, entsprechend hoch ist die Anzahl von organic-vegetarian-vegan-you-name-it-Restaurants)…
San Diego war demgegenüber etwas Kontrastprogramm. Das war schon klar, als mich mein werter Freund und Göttinger Ex-Kollege Peter hier in seinem feschen silbergrauen 1985er 380 SL Cabrio vom Flughafen abholte und wir im dicken Freeway-Verkehr wenige Meter unter den Jets im letzten Teil des Landeanflugs durchs nächtliche Lichtermeer von San Diego kurvten. Der lifestyle scheint hier doch recht unterschiedlich… von “links-alternativ” ist hier recht wenig zu spüren, wenn man mal die Surfer ausnimmt, die ja eh eine Welt für sich sind. Und während einem in San Francisco und Berkeley, wo die Villenviertel auf den Hügeln von allem anderen als Mangel an Geld und Luxus künden, dennoch Armut und Obdachlosigkeit auf Schritt und Tritt begegnen, war das, was ich von San Diego und La Jolla (wo ich meine knappe Zeit zumeist verbracht habe) gesehen habe, schon sehr von fleißigen, jungen, sehr gut situierten Menschen geprägt, die dann aber auch entsprechend feiern und es sich gut gehen lassen. Wofür das hier definitiv ein guter Platz ist. Und wozu ich dann immer erstmal ein etwas gespaltenes Verhältnis habe (vorallem wenn einem andauernd unrealistisch hübsche Frauen in unrealistisch aufgebrezelter Kleidung, teils auch noch mit unrealistischen Autos - ein BMW Z4 mit Anfang 20, das hat schon was - und unrealistischer Oberweite - fake boobs sind hier in der Tat recht verbreitet - begegnen). Aber immerhin bin ich im Urlaub. Und schon den zweiten Tag mit Rumhängen am Strand, Biertrinken ab zwei Uhr nachmittags, Beachvolleyball und Surfen konnte ich bedeutend besser genießen als den ersten. (In der Tat hab ich mich zum ersten Mal am Wellenreiten versucht. Was definitiv was ganz anderes ist als Windsurfen. War mir natürlich klar. Aber daß es trotzdem nicht zu mehr reichte in der halben Stunde, die ich auf dem Wasser war und die reichte, um mich rechtschaffen fertig zu machen, als dazu, zweimal im Liegen das Weißwasser von bereits gebrochenen Miniwellen herunterzurutschen und davon schon einen Heidenrespekt zu bekommen, hat mich doch etwas enttäuscht. Naja, immerhin hab ich das Board nicht an den Schädel oder auf die Nase bekommen und auch niemanden damit niedergebügelt. Die Lernkurve ist halt etwas flach und der Respekt vor solchen Dingen in meinem fortgeschrittenen Alter schon ungünstig hoch.)
Ich finde, für einen “schwermütigen Physiker” schlage ich mich recht wacker im Golden State…
