Während meiner Zeit in Boston begonnen und von meiner damaligen "Exil-Homepage" übernommen: meine kleine Liste der Wörter aus dem Deutschen, die es in den englischen / amerikanischen Sprachschatz geschafft haben. Nicht daß ich der Meinung wäre, am deutschen Wesen solle die Welt genesen... im Gegenteil: um was für Wörter es sich handelt und wie sie bekannt geworden sind, könnte fast schon eine kleine kritische Anthropologie der "Deutschen" (wer immer das sein mag) - oder dessen, was ein nicht unerheblicher Teil des Rests der Welt von ihnen denkt - ergeben. Und außerdem ist es immer sehr lustig, an unerwarteter Stelle plötzlich über eine deutsche Vokabel zu stolpern...
Für Erweiterungsvorschläge bin ich jederzeit dankbar! Obwohl es inzwischen schon eine entsprechende Liste deutscher Begriffe im Englischen auf Wikipedia gibt, die noch deutlich umfangreicher ist als die meine... schaut mal hin!
Alte Bekannte, keine großen Erklärungen nötig...
Ich glaube, das fiel mir auf dem Etikett einer Sprühflasche mit Duschreiniger auf: "Spritz it on!"
Offensichtlich der offizielle Terminus für dieses Instrument. Gesehen im Programmheft des Boston Symphony Orchestra...
Bis aufs 'tz' im Originalzustand übernommen, wahrscheinlich wegen der treffsicheren Lautmalerei...
Gelegentlich nach dem Niesen verwendet... und auch von Arnold Schwarzenegger in "Last Action Hero" (der englischen Fassung!).
Geht auf eine Werbekampagne von VW zurück, die so durchschlagend gewesen sein muß, daß angeblich sogar The Grateful Dead (!) einen Autoaufkleber (!!) mit dieser Aufschrift herausgebracht haben.
"Wipe that Schadenfreude off your face!"
"I have to schlepp my groceries home."
Zum Beispiel letzten Samstag: der große "Tag der Umwelt" hieß "Earth Fest"!
Ein Fundstück aus einer Kurzgeschichte eines jüdischen Autors in dem herrlichen Kurzgeschichtenband "Neurotica. Jewish Writers on Sex".
Plötzlich war hier in einem Vortrag angesichts eines Gewirrs biochemischer Reaktionswege von "a gemisch of pathways" die Rede...
Aus einer Diätanweisung: "Pasta and meat are verboten !" Offenbar ein Kultwort, von dem die wenigsten wissen, woher es kommt...
Zitat meiner Bostoner Mitbewohnerin Elizabeth: "Our kitchen floor is schmutzig!"
Leicht verhunzt als "Fräulien" auf dem Etikett einer Saftflasche. Nachdem ich ja auch "Wunderkind" schon gesichtet habe, warte ich jetzt nur noch auf das "Fräuleinwunder". Oder natürlich die "Wunderwaffe".
Ob Ihr's glaubt oder nicht... gefunden in einem Zeitungscartoon.
Von einer Deutschen in den USA einmal aus Versehen in einem Satz verwendet und glatt verstanden worden. Auf ihre Nachfrage "Do you know what that means?" kam die Antwort: "It's a very childish way of saying that something doesn't work." ;-)
Die einfache englische Übersetzung von "abseilen" beim Bergsteigen.
War ja klar!
Laut der Aussage eines Freundes von mir von einer englischsprachigen Schachpartnerin benutzt, als er sich einen - nun ja - Patzer geleistet hatte.
Ein Fundstück aus "World's End" von T. C. Boyle, der ohnehin über ein abenteuerliches Vokabular verfügt, das die meisten native speakers zum großen Teil nicht unbedingt teilen dürften. Also wohl eher eine Kuriosität, zumal dieser Begriff auch im Deutschen nicht sehr gebräuchlich scheint...
Macht natürlich Sinn, dieses Wort zu übernehmen... Gehört in Jim Jarmuschs Film "Coffee and Cigarettes".
Auf einem Schild am Gemüseregal in einem Supermarkt in Boston.
Woher das zweite 'p' kommt, weiß der Himmel.
Der kulinarische Teil dieser Liste wird auch immer länger...
Gefunden auf dem Etikett einer Mineralwasserflasche.
Sehr deutsch, allzu deutsch, in Klang, Inhalt und Geschichte. Amüsant daran ist nur, daß "Blitz" im militärischen Sinn inzwischen offensichtlich auch zur Bezeichnung für ein Manöver im Football verwendet wird - und daß "Donner und Blitzen", in alten amerikanischen Kriegsfilmen neben "Achtung Hans" ein beliebter Schlachtruf deutscher Soldaten, auch die Namen zweier Rentiere des Weihnachtsmanns im amerikanischen Standard-Weihnachtslied "Rudolph the Red-Nosed Reindeer" zu sein scheinen... Ich muß mich übrigens korrigieren: auch wenn für die Bombenangriffe der Nazis auf London 1940 der Begriff "London Blitz" üblich war, wurde der Begriff "Blitzkrieg" natürlich ursprünglich für die raschen Angriffe auf Polen und Frankreich 1939 und 1940 geprägt.
Nicht ganz so bekannt, aber trotzdem bedenklich...
Auch dieser Ausdruck als Begriff für rassistische Ausschreitungen ist mir irgendwo begegnet.
Gefunden in einem Aufsatz von John Perry Barlow, dem ehemaligen Texter von The Grateful Dead und Gründer der Electronic Frontier Foundation, allerdings im positiven Sinne: daß Ideen frei sein wollen und dafür, nun ja, Lebensraum benötigen.
In irgendeinem Zeitungsartikel aufgegabelt...
Wohl kein so allgemein bekannter Begriff... aber eines der nicht wenigen Wörter offensichtlich deutschen Ursprungs, die in erwähntem Band "Neurotica" auftauchen.
Ganz klar unübersetzbar...
Die letzten beiden garantiert nur in verspulten german studies-Universitätsdepartments.
Bin mir nicht sicher, wie gebräuchlich das ist - aber angeblich hat's mein Diplomarbeits-Betreuer mal in einer englischen Konversation untergebracht, ohne daß es zu Verständigungsproblemen kam...
Zu finden im gut sortierten Feuilleton - aber auch ein "Zeitgeist Cafe" findet sich in Cambridge.
Der Wordsmyth-Thesaurus definiert Realpolitik als "...politics or national policy governed by principles of power, expansion, and expediency rather than by ideals or ethics." Das läßt mal wieder tief in die deutsche Seele blicken...
Wohl zum Modewort geworden: "Überkids" für hochbegabte Kinder, "Übergeek" für übertriebene Nerd-Persönlichkeiten...
Aus einer Filmkritik der New York Times: " 'Y Tu Mama Tambien' [...] is one of those Bildungsroman films ..."
Hatt' ich ganz vergessen. "German Angst", "Teenage Angst"...
Gefunden in Nature: "...the fact that Wolfram's ideas still lack the predictive power of established theories [...] is a sign that the wunderkind has come up short."
Auch irgendwo in der Zeitung gefunden.
Gefunden bei T. C. Boyle, daher wohl nicht so sehr gebräuchlich und deshalb im Feuilleton-Teil dieser Liste.
Schöne Grüsse, Wagner hat auch Spuren hinterlassen...
Ursprünglich wohl aus Kants Kritik der Urteilskraft, hat es dieser Begriff auch in das englische philosophische Vokabular geschafft.
Gefunden auf BoingBoing.
Hat ein Freund von mir an der Uni Chicago von einem Professor der Geschichte gehört: "What this book lacks is some serious quellenforschung." In seinen Worten, die ich mal ganz frech zitiere, bezeichnet der Begriff im Englischen "penible, oftmals nervig unnötige Aufmerksamkeit aufs Detail, positiv gedreht jedoch Genauigkeit und eine Art wissenschaftlicher Rechtschaffenheit." Also schon auch irgendwie, naja, wie soll ich sagen... deutsch. Danke, lieber Martin, für diesen Beitrag!
Üblich in der mathematischen Literatur: zum Beispiel in J.D. Jackson, Electrodynamics: "We make the ansatz..."
Gelegentlich statt "zero" gebraucht.
Vor allem in "Gestalt psychology".
Gebräuchlich für die Strahlung, die geladene Teilchen beim Abbremsen abgeben. Aber auch der Name eines kleinen Labels für abstrakte elektronische Musik aus Kalifornien - war es zumindest mal... denn unter der früheren Adresse dieses Labels, www.lowercasesound.com, wo man einst eine wundervolle Website im Design des ganz frühen Apple-Desktops fand (!), gammelt jetzt nur noch eine generische Linksammlung zu den Themen "Digitalkamera" und "billig handy" herum. Ich nehme also an, daß es das Label nicht mehr gibt... sehr schade drum.
Gefunden wo auch immer...
Auch im Englischen gebräuchlicher Ausdruck für ein Ion, das positive und negative Ladungen trägt, wie etwa Aminosäuren bei neutralem pH-Wert.
Aus Vollhardt, Organic Chemistry: "The process of adding electrons one by one to the orbital sequence is called the Aufbau principle."
Noch so was Chemisches: laut IUPAC "any process by which the normal alternating donor and acceptor reactivity pattern of a chain, which is due to the presence of O or N heteroatoms, is interchanged" (www.iupac.org/goldbook/U06551.pdf).
Ein Problem aus der symbolischen Logik, aufgestellt 1928 von David Hilbert persönlich: ob es möglich ist, einen allgemeinen Algorithmus zu finden, der für gegebene Propositionen erster Ordnung feststellt, ob sie wahr oder falsch sind. (Nicht daß ich Ahnung von symbolischer Logik hätte, leider...) Als nicht möglich bewiesen 1936 unabhängig voneinander durch Alonzo Church und Alan Turing, von dem es etwa einen Aufsatz mit dem schönen Titel "On computable numbers, with an application to the Entscheidungsproblem" (hier online) gibt. Mehr dazu bei der unerschöpflichen Wikipedia. Danke an Oliver Fritzen für die "Einsendung"!